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Harnsteine beim Kaninchen – Ursachen, Symptome, Vorbeugung

Harnsteinbildung stellt ein relativ häufig vorkommendes, oft auch unerkanntes Problem bei kleinen Pflanzenfressern (v.a. Kaninchen, aber auch Meerschweinchen, Chinchillas und Degus) dar.

Besonderheiten des Urins bei Kaninchen

Im Gegensatz zu Mensch, Hund oder Katze kann der Urin von kleinen

Pflanzenfressern auch bei gesunden Tieren sehr trüb sein. Die Ursache hierfür ist eine hohe Calciumausscheidung über den Harn, welche auch bei gesunden Tieren zur Kristallbildung führt.

Die Ausscheidung von Futterfarbstoffen über den Harn kann zu einer orangen bis rötlichen Färbung des Urins führen. Roter Urin bedeutet beim Kaninchen also nicht unbedingt blutiger Urin!

Der Unterschied kann im Zweifelsfall nur über eine Laboruntersuchung geklärt werden.

Der Calciumhaushalt

Kaninchen (wie auch andere kleine Pflanzenfresser) nehmen das im Futter enthaltene Calcium uneingeschränkt auf, d. h. je höher der Calciumgehalt im Futter ist, desto mehr Calcium wird vom Körper aufgenommen und muss – falls es den Bedarf übersteigt – anschließend wieder ausgeschieden werden.

Bei Mensch, Hund und Katze dagegen wird die Calciumaufnahme aus der Nahrung im Darm bedarfsgerecht geregelt, d. h. es wird nur so viel Calcium in den Körper aufgenommen, wie tatsächlich gebraucht wird. Daher entfällt die Ausscheidung von überflüssigem Calcium über den Urin.

Bildung von Blasensteinen

Wenn der Harn zu viel Calcium enthält, kommt es zur Bildung von Kristallen. Dies ist zunächst unproblematisch, da Calciumsalze die Blasenwand nicht reizen und beim Harnabsatz mit ausgeschieden werden.

Kommt es jedoch zur Verklumpung größerer Mengen dieser Kristalle, entsteht zuerst eine zähe Masse und schließlich Blasensteine, die nicht mehr ausgeschieden werden können. Sie können zu Blasenentzündung und im schlimmsten Fall zu einem Verschluss der Harnröhre führen.

Wie erkennt man Harnwegserkrankungen beim Kaninchen?

Wie oben bereits erwähnt, muss rötlicher Urin bei kleinen Pflanzenfresern kein Hinweis auf eine Harnwegserkrankung sein, kann es aber.

Die Symptome einer Blasenentzündung sind bei Kaninchen und Meerschweichen leider nicht so eindeutig wie z. B. bei Hund oder Katze. Nur selten kann man ein auffälliges Verhalten beim Urinabsatz, Harndrang oder Schmerzäußerungen beobachten. Meist sind nur unspezifische Anzeichen, wie Appetitlosigkeit, gestörtes Allgemeinbefinden oder nasses Fell im Anogenitalbereich festzustellen. Beim Verdacht auf Harnsteine können eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung sowie eine Untersuchung des Urins weiterhelfen.

 

Was kann man vorbeugend tun?

Ursachen für die Harnsteinbildung sind vor allem falsche Fütterung, Bewegungsmangel und zu geringe Wasseraufnahme.

[warning]Übergewichtige Tiere haben ein stark erhöhtes Risiko, Blasensteine zu bekommen![/warning]

Wasseraufnahme steigern

Das Füttern von Saftfutter erhöht die Wasseraufnahme deutlich, was zu einer Verdünnung des Urins führt. Auch ein hoher Rohfasergehalt des Futters steigert die Wasseraufnahme (viel Heu!).

Auch wenn die Tiere nur wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, muss immer frisches Wasser in einer Tränke angeboten werden. Der minimale Wasserbedarf beträgt 10 ml/100 g Körpergewicht.

Ein Kaninchen das 2 kg wiegt, braucht ca. 200 ml Trinkwasser am Tag, im Sommer noch mehr.

Bewegung

Viel Freilauf beugt Übergewicht vor und erhöht die Häufigkeit des Urinabsatzes. Außerdem führt Bewegung zu einer guten Durchmischung des Urins in der Blase, was die Ausscheidung kleiner Kristalle fördert.

Fütterung

Eine kalziumarme Ernährung wäre zwar die beste Prophylaxe von Harnsteinen, allerdings ist dies beim Pflanzenfresser nicht möglich, da Gras und vor allem Heu sehr kalziumreich sind. Dieses rohfaserreiche Futter ist jedoch für den Verdauungstrakt und die Abnutzung der ständig wachsenden Zähne unbedingt nötig.

Viel Gras und Heu sollten die Hauptnahrung für Kaninchen und Meerschweinchen sein! Dabei sollte man Futter mit extrem hohem Kalziumgehalt wie Luzerne (Grünrollies), Klee und manche Kräuter (z.B. Petersilie) vermeiden. Auf zusätzliche Mineralstoffe und Nagesteine sollte man ganz verzichten.

„Saftfutter“ wie Löwenzahn und Gras ist zur Fütterung gut geeignet. Gemüse mit extrem hohem Wassergehalt wie Gurke und Tomate sollten jedoch nur in kleinen Mengen gegeben werden, da sie zu wenig Rohfaser enthalten.

Handelsübliche „Alleinfutter“ enthalten zum Teil extrem viel Kalzium und sind außerdem sehr energiereich. Diese in Form von Pellets oder Leckerli angebotenen Futter sollten – wenn überhaupt – nur in sehr geringen Mengen gefüttert werden.

Auch bei Obst ist Vorsicht geboten, da der hohe Zuckergehalt zu unerwünschtem Hefewachstum im Darm führen kann.

Verschiedene Futtermittel im Überblick

 

Kalziumarme Futtermittel: zur freien Aufnahme anbieten
Gras, Wiesenheu, Löwenzahn, Möhren (ohne Grün, frisch oder getrocknet)

Kalziumreichere Futtermittel: nur in begrenzten Mengen zufüttern
Petersilie, Grünrollis

Sehr Kalziumreiche Futtermittel: nur sehr geringe Mengen zufüttern bzw. vermeiden
Pellets, Milchdrops, Luzerneheu

 


Für diesen Artikel wurden Beiträge aus „team.konkret Die Zeitschrift für Tiermedizinische Fachangestellte“; Enke Verlag und einer Broschüre der Firma almapharm zusammengefasst.