«

»

Fütterung von Junghunden

Obwohl es heutzutage ein vielfältiges Angebot an Alleinfuttermitteln für Hunde jeder Altersklasse gibt und man meinen müsste, dass die Tiere dadurch optimal versorgt sind, kommen auch heute noch ernährungsbedingte Wachstumsstörungen vor.

Dies kann durch individuelle Unterschiede im Bedarf zu Stande kommen oder auch durch die gut gemeinte Zufütterung von Ergänzungsfuttermitteln oder zusätzlichen Rationen an Fleisch und anderen selbst zubereiteten Zutaten.

Die häufigsten Fehler bei der Fütterung sind Energieüberversorgung und Fehlversorgung mit Mineralien (v.a. Calcium und Phosphor). Gerade bei großwüchsigen Hunderassen kommt es dadurch häufig zu Wachstumsstörungen. Eine Eiweißüberversorgung (ohne energetische Überversorgung) hat keine negativen Auswirkungen auf das Wachstum, kann jedoch zu Verdauungsstörungen in Form von Blähungen und weichem Kot führen, wenn das überschüssige Eiweiß nicht durch körpereigene Enzyme abgebaut wird, sondern im Dickdarm durch Bakterien.

1. Energieüberversorgung

Eine Energieüberversorgung bewirkt bei Welpen nicht, dass sie dick werden, sondern dass sie zu schnell wachsen, wobei sie trotzdem mager wirken können.

Wenn ein Welpe zu schnell wächst, müssen die Knochen zu schnell ein zu großes Gewicht tragen, was zu einer Überlastung der Gelenke sowie zu Schäden am Knorpel führen kann. Wenn die Muskeln schneller wachsen, als die Knochen mineralisiert werden können, können Zug- und Druckkräfte Achsenabweichungen der Gliedmaßen bewirken.

Mögliche Ursache für eine Energieüberversorgung ist eine zu hohe Futtermenge: Oft brauchen die Welpen weniger Menge eines Alleinfuttermittels, als auf der Verpackung angegeben ist, da ihr individueller Energieverbrauch niedriger ist. Ein weiteres Problem stellt die Zufütterung von Leckerli dar, deren Energiegehalt und Menge oft unterschätzt wird. Auch die zusätzliche Gabe von Fleisch, Nudeln oder Milchprodukten kann problematisch sein.

Die zu hohe Energieaufnahme beeinflusst das Wachstum nicht nur direkt durch die Versorgung mit Nährstoffen, sondern auch indirekt durch eine Veränderung der Konzentration von Wachstumshormonen, wodurch es unter Umständen zu einem gestörten Umbau von Knorpel zu Knochen kommen kann.

2.Mangel an Calcium und Phosphor

Ein Calciummangel kann absolut (zu geringe Zufuhr) oder relativ (zu wenig Calcium im Verhältnis zur Phosphorzufuhr) sein. Er führt zu mangelhafter Mineralisierung der Knochen. Da der Calciumspiegel und auch das Calcium-/Phosphorverhältnis im Blut automatisch konstant gehalten wird, führt ein Calciummangel zur Freisetzung von Calcium aus den Knochen, wodurch diese an Stabilität verlieren.
Er ist häufig die Folge einer unausgewogenen selbst zubereiteten Ration. Fleisch und Kohlenhydrate sind in der Regel reich an Phosphor, enthalten aber nur geringe Mengen an Calcium. Milchprodukte enthalten zwar mehr Calcium, sind aber auch phosphorreich. Wenn man für einen Hund im Wachstum selbst kochen möchte, sollte man sich auf jeden Fall den Rat eines Fachmanns einholen und eine genaue Berechnung der benötigten Zutaten machen lassen!

Obwohl die meisten Komponenten der selbst zubereiteten Rationen phosphorreich sind, kann es doch gerade bei großwüchsigen Hunderassen auch zu einem Phosphormangel kommen, wenn der Phosphorgehalt im Verhältnis zum Energiegehalt zu niedrig ist.
Die Folge eines Phosphormangels ist eine unphysiologische Elastizität von Sehnen und Bändern.
Auch bei der Verfütterung kommerzieller Futtermittel sind Fehlversorgungen mit Calcium und
Phosphor nicht auszuschließen.

Das Ca/P-Verhältnis sollte 1,2 bis 1,5 zu 1 betragen. Mit einem Futter, das bei einem Energiegehalt
von 1,25 bis 1,45 MJ ME pro 100 g Futter 1,2 % Ca und 0,9 % P enthält, kann ein heranwachsender
Hund bedarfsgerecht versorgt werden.

Es gilt dabei zu bedenken, dass es schon zu einer unzureichenden Versorgung kommen kann, wenn 10 bis 20 % des Energiebedarfes in Form von Leckerli verabreicht werden, oder wenn die Futtermenge aus einem anderen Grund (z.B. geringere Aktivität aufgrund von Lahmheiten) reduziert werden muss.

Bei Dosennahrungen, die ausschließlich Fleisch und Gemüse enthalten, ist darauf zu achten, dass
eine entsprechende Calciumquelle zugesetzt ist. Im Zweifelsfall kann man den Hersteller kontaktiern
und die genauen Inhaltsstoffe erfragen.

3.Überversorgung mit Calcium oder Phosphor

Eine Überversorgung mit Calcium führt bei kleinen Hunderassen in der Regel nicht zu Problemen. Bei
großen Rassen kann es jedoch zu Störungen der Skelettentwicklung kommen. Außerdem kann eine
Calciumüberversorgung zu einem sekundären Zink- und Kupfermangel führen. Eine Überversorgung
mit Phosphor bedingt wiederum einen sekundären Calciummangel.

Man sollte daher zu einem Alleinfuttermittel keine Mineralstoffzusätze füttern und selbst zubereitete
Rationen von einem Spezialisten überprüfen lassen.

Fazit

Eine Fehlversorgung mit Energie, Mineralstoffen oder Spurenelementen in der Wachstumsphase
kann schwerwiegende Folgen für die Entwicklung des Bewegungsapparates haben.
Es lohnt sich daher in dieser sensiblen Zeit der Entwicklung ein besonderes Augenmerk auf die
Fütterung zu haben. Um die Energieversorgung einzuschätzen ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle
besser geeignet, als die alleinige Orientierung an den deklarierten Futtermengen. Auch die Tatsache,
dass ein Welpe dünn ist, sagt nichts darüber aus, ob er zu viel Energie aufnimmt, da Welpen nicht
dick werden, sondern zu schnell wachsen.
Um einer Fehlversorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen vorzubeugen, sollte man ein
spezielles Futter für Welpen füttern. Wenn man die Ration selbst zubereiten möchte, sollte man sich
unbedingt von einem Spezialisten beraten lassen, da Fehler in der Rationszusammensetzung bei
Tieren im Wachstum schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können.
Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben, oder das Gewicht Ihres Tieres regelmäßig kontrollieren
lassen möchten, wenden Sie sich gerne an uns.

 

Dieser Beitrag wurde für Sie zusammengefasst aus kleintier.konkret Die Zeitschrift für die Kleintierpraxis Ausgabe 2/2013